Auto-Schweiz fordert Kurskorrektur in der Automobil- und Klimapolitik
Posted by: Mario Borri
Der Schweizer Automarkt verharrt auf historischem Tief. Auto-Schweiz verlangt weniger Regulierung, bezahlbare Mobilität und verlässliche Rahmenbedingungen, um Klimaziele und Marktentwicklung in Einklang zu bringen.
Der Auto-Schweiz-Vorstand stellte sich den Fragen der Journalisten (v. l.): Donato Bochicchio (Vizepräsident), Peter Grünenfelder (Präsident), Frank Keidel (Sprecher), Thomas Rücker (Direktor) und Helmut Ruhl (Vizepräsident). Bild: AGVS Medien
An ihrer Jahresmedienkonferenz in Zürich hat Auto-Schweiz eine deutliche Kurskorrektur in der Schweizer Automobilitäts- und Klimapolitik gefordert. Der Verband der Automobilimporteure sieht die Branche und die Konsumentinnen und Konsumenten zunehmend durch Überregulierung, hohe Energiepreise und neue Abgaben belastet. Ziel müsse es sein, Mobilität wieder bezahlbar zu machen und die politischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Klimaziele mit den Bedürfnissen von Wirtschaft und Bevölkerung vereinbar bleiben.
Der Schweizer Personenwagenmarkt befindet sich laut Auto-Schweiz in einer historischen Schwächephase. Mit knapp 234’000 Neuzulassungen im Jahr 2025 wurde der tiefste Stand seit 25 Jahren erreicht, ausgenommen die Zeit der Corona-Pandemie. Während sich die europäischen Märkte schrittweise erholen, bleibt die Schweiz deutlich unter dem Vorkrisenniveau von über 300’000 Fahrzeugen pro Jahr. Der Verband macht dafür vor allem eine realitätsferne Regulierung, hohe Strompreise und fehlende marktwirtschaftliche Anreize verantwortlich.
Gleichzeitig betont Auto-Schweiz das breite Angebot an elektrifizierten Fahrzeugen. Kundinnen und Kunden könnten aus rund 300 elektrifizierten Personenwagenmodellen sowie 70 Lieferwagen- und 45 Lastwagenvarianten in allen Preis- und Nutzungskategorien wählen. Dennoch komme der Hochlauf emissionsarmer Fahrzeuge nur langsam voran. Der Marktanteil der Steckerfahrzeuge lag 2025 bei rund 34 Prozent und damit deutlich unter den politischen Zielwerten und der 50-Prozent-Marke der Roadmap des Bundes.
Als zentrale Hemmnisse nennt der Verband hohe Strompreise, eine ungenügende Ladeinfrastruktur insbesondere in den Städten, regulatorische Unsicherheit sowie geplante neue Steuern und Abgaben. Diese Faktoren verunsicherten sowohl private Autokäufer als auch Firmenkunden und verzögerten Investitionsentscheidungen.
Auto-Schweiz-Präsident Peter Grünenfelder forderte in diesem Zusammenhang ein Umdenken in der Politik: «Die Politik muss aufhören, die Automobilwirtschaft zu drangsalieren und die Mobilität für Private und Firmen zu verteuern. Stattdessen braucht es ein funktionierendes Ökosystem für die Elektromobilität, Investitionssicherheit und verlässliche politische Signale für Autonutzerinnen und -nutzer. Davon profitieren alle: Private, Unternehmen, unser Wirtschaftssektor und das Klima.»
Konkret verlangt Auto-Schweiz den Abbau bürokratischer Auflagen, die aus Sicht des Verbands Kosten verursachen, aber keine Lenkungswirkung entfalten. Dazu kommen der Verzicht auf neue Steuern wie eine E-Abgabe oder zusätzliche Belastungen im Schwerverkehr, die Abschaffung der 4-prozentigen Automobilimportsteuer sowie mehr Preiswettbewerb im Strommarkt. Zudem soll die Schweiz die europäischen Flexibilisierungsmassnahmen im CO₂-Regime übernehmen und auf einen kostenintensiven «Swiss Finish» verzichten. Der Absenkungspfad bei den Emissionszielen müsse marktrealistisch ausgestaltet und zeitlich geglättet werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur und der Umsetzung eines Rechts auf Laden, um den Alltag mit Elektrofahrzeugen zu erleichtern. Kritisch äussert sich Auto-Schweiz auch zur Zweckentfremdung von Verkehrsabgaben: Die jährlich rund 13 Milliarden Franken, welche Automobilisten an Steuern und Abgaben leisten, müssten konsequent der Mobilitätsinfrastruktur zugutekommen.
Schliesslich fordert der Verband mehr Projekte für den Strassenverkehr im Rahmen des Infrastrukturprogramms «Verkehr ’45». Angesichts jährlich rund 55’000 Staustunden und volkswirtschaftlicher Schäden in Milliardenhöhe seien die Mittel vorhanden, um dringend notwendige Vorhaben zu beschleunigen und die Leistungsfähigkeit des Verkehrssystems zu sichern.
Die acht Forderungen von Auto-Schweiz:
1. Autowirtschaft deregulieren
2. Keine neuen Steuern (E-Abgabe, LSVA)
3. 4 Prozent Automobilimportsteuer abschaffen
4. Preiswettbewerb am Strommarkt
5. Europäische Flexibilisierung übernehmen
6. CO2-Sanktionsmechanismus überarbeiten
7. Öffentlichen Ladeinfrastruktur ausbauen
8. «Verkehr 45»: mehr Projekte für den Strassenverkehr



