«Der Neuwagenkauf wird politisch verteuert und damit unattraktiv gemacht»
Posted by: Mario Borri
Im Interview mit AUTO&Wirtschaft erklärt Auto-Schweiz-Direktor Thomas Rücker, warum der Schweizer Automarkt 2026 unter Druck steht, welche Rolle hohe Strompreise, fehlende Ladeinfrastruktur und CO₂-Sanktionen spielen.
Thomas Rücker, Direktor von Auto-Schweiz, der Vereinigung der offiziellen Schweizer Automobil-Importeure.
Interview: Mario Borri
AUTO&Wirtschaft: Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Gründe für die anhaltende Marktschwäche im Jahr 2025?
Thomas Rücker: Die anhaltende Schwäche ist primär hausgemacht: Eine europaweit einzigartige CO₂-Überregulierung verteuert die Mobilität. Ein Beispiel dafür sind die Ausgleichszahlungen wegen der Verfehlung von CO₂-Zielwerten. Während die Hersteller in Europa bisher weitestgehend um Zahlungen herumkamen, kosteten uns die Sanktionen in der Schweiz bisher kumuliert über 300 Millionen Franken. Und allein für 2025 werden die direkten CO2-Sanktionen auf 125 Millionen Franken geschätzt. Dazu kommen Vermeidungskosten in mindestens derselben Höhe! Und es drohen neue Belastungen für Automobilisten, die Private, Firmen und den Handel verunsichern. Dazu zählen die Elektrofahrzeug-Ersatzabgabe sowie die Verteuerung der E-Trucks durch die geplante LSVA-Revision.
Sie sprechen von Fehlanreizen in der CO₂-Regulierung. Was läuft aus Ihrer Sicht konkret falsch?
Das heutige System sanktioniert Anbieter für fehlende Nachfrage, obwohl über 300 elektrifizierte Modelle in allen Preis- und Leistungsklassen verfügbar sind. Importeure können Kaufentscheide nicht erzwingen, werden aber dennoch als Einzige mit Strafzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe konfrontiert, wenn die Klimaziele im Bereich Verkehr verfehlt werden. Dieser Ansatz ist planwirtschaftlich und nicht gerechtfertigt. Zudem verzerrt es den Markt, schwächt Handel, KMU und Beschäftigung – und verzögert erst noch das Erreichen der Klimaziele, weil die Menschen an ihrem alten Verbrenner festhalten.
Ist eine Rückkehr zum früheren Marktniveau von rund 300’000 Neuzulassungen realistisch?
Mittelfristig ist eine Rückkehr zu diesen Volumen nur unter marktwirtschaftlich vernünftigen Rahmenbedingungen realistisch. Bleiben Überregulierung und Verteuerung bestehen, wird sich der Markt nicht erholen und wir müssen uns mit einem Gesamtmarkt von 230'000 – 250'000 Einheiten begnügen müssen. Das hätte Folgen für Arbeitsplätze und Volkswirtschaft. Zudem bliebe der Unterhalt überverhältnismässig teuer für die Kunden.
Haben klassische Benzin- und Dieselfahrzeuge noch eine Zukunft?
Benzin- und Dieselfahrzeuge verlieren Marktanteile (2025: -20% bzw. 30%) und zunehmend an Bedeutung, da diese durch HEV und MHEV teilelektrifiziert werden können. In gewissen Anwendungen werden sich diese aber noch länger behaupten. Sie sichern heute immer noch Mobilität, finanzieren den technologischen Wandel quer und werden laufend effizienter. Ein abrupter politischer Ausstieg verzögert die Flottenerneuerung und schadet der Wirtschaft. Wären synthetische oder biogene Treibstoffe weiter verbreitet, könnten auch Verbrenner auf dem Weg zu Netto-Null helfen.
Welche Folgen hat das steigende Durchschnittsalter des Fahrzeugparks?
Ein überalterter Fahrzeugpark bedeutet höhere CO₂-, Schadstoff- und Lärmemissionen. Zudem leidet die Verkehrssicherheit, da moderne Assistenzsysteme fehlen. Wirtschaftlich schwächt dies Handel, Werkstätten und die gesamte Wertschöpfungskette. Hinzu kommt, dass der Unterhalt für ältere Fahrzeuge teurer wird und somit steigende Betriebskosten zu erwarten sind.
Was erwarten Sie kurzfristig von der Bundespolitik?
Vor allem keine neuen Steuern oder Abgaben. Es braucht Entlastungen bei den CO₂-Sanktionen, die Abschaffung der Automobilsteuer und klare Ausbaupläne für günstige Energie und flächendeckende Ladeinfrastruktur. Leider sind die jüngsten Signale aus Bern negativ: So lehnte die Kommission UREK-N in der zweiten Behandlung eine Flexibilisierung der CO2-Sanktionen analog zur EU ab.
Welchen Beitrag leisten Garagistinnen und Garagisten in dieser Phase des Umbruchs?
Es gilt, Unsicherheiten zu Reichweite, Laden und Werterhalt aktiv abzubauen. Der Handel engagiert sich bereits stark, denn die Beratung für potenzielle Käufer von emissionsarmen Autos ist ungleich aufwendiger. Gleichzeitig stösst der Handel ohne politische Unterstützung bei Infrastruktur und Kosten an seine Grenzen, denn letztlich entscheidet der Kunde, was ihm den grössten Nutzen bringt.
Das gesamte Interview lesen Sie in der Printausgabe von AUTO&Wirtschaft, die Januar-Februar-Doppelnummer liegt nächste Woche in Ihren Briefkästen.



