01.04.2026

Nokian Snowproof 3P: Härtetest in der «White Hell»

Der neue Nokian Snowproof 3P will der perfekte Winterreifen für Mitteleuropa sein. In Finnlands «White Hell» zeigt er, wie viel Grip, Präzision und Sicherheit moderne Pneus heute liefern können.

Nokian Snowproof 3P: Härtetest in der «White Hell»

Kontrollierter Drift auf der Kreisbahn: Der Nokian Snowproof 3P bleibt berechenbar.

Text: Mario Borri

 

Eigentlich sollte es klirrend kalt sein. Minus fünf bis minus zehn Grad sind in Ivalo, im Norden Finnlands, 235 km nördlich des Polarkreises, um diese Jahreszeit normal. Doch bei unserem Besuch zeigt sich Lappland ungewohnt mild: Temperaturen leicht im Plus, der Schnee weich statt hart gefroren. Überraschend – und gleichzeitig ideal. Denn genau solche Bedingungen prägen den mitteleuropäischen Winter.

Der Auftakt findet in einer warmen Halle statt. Hier begrüsst Nokian Tyres die internationale Journalistengruppe – AUTO&Wirtschaft als einziges Schweizer Medium mittendrin. Kurz darauf geht es hinaus in die legendäre «White Hell»: 700 Hektaren, über 40 Kilometer Teststrecken und seit 40 Jahren das Herzstück der Winterreifenentwicklung des finnischen Herstellers.

 

Bühne frei für den neuen Snowproof

Paolo Pompeo, Präsident und CEO von Nokian Tyres, lässt es sich nicht nehmen, persönlich zu begrüssen. Locker, aber bestimmt erklärt er die Idee hinter dem neuen Snowproof 3P: ein Reifen, der Sicherheit und Fahrspass verbindet – gerade für leistungsstarke Fahrzeuge. Der Fokus liegt klar auf den Anforderungen in Mittel- und Südeuropa. Der Snowproof 3P richtet sich an Fahrer von Limousinen, SUVs und Hochleistungsfahrzeugen, die im Alltag pendeln, über verschneite Pässe fahren, lange Strecken zurücklegen – und dabei auch gerne sportlich unterwegs sind. 

 

Mehr Performance, mehr Dimensionen

Ein Blick auf die Dimensionen zeigt, wohin die Reise geht: Winterreifen werden grösser – und der Snowproof 3P (P steht für Performance) zieht mit. Zum Start im Herbst 2026 ist er in 50 Dimensionen von 17 bis 21 Zoll erhältlich, fast durchgehend als XL-Version mit erhöhter Tragfähigkeit. Das Portfolio wächst später auf bis zu 22 Zoll und insgesamt 96 Grössen. Technisch setzt Nokian auf das Alpine Performance Concept 3.0 mit drei klar definierten Zonen für Schnee, Nässe und Stabilität. Das Ergebnis: starker Grip, kurze Bremswege und ein angenehm präzises Fahrgefühl – auch wenn das Tempo steigt. 

 

Slalom: Vertrauen auf den ersten Meter

Dann können wir selber testen. Im Audi A4 Avant geht es auf den Slalomkurs. Schon nach den ersten Metern fällt auf: Der Snowproof 3P baut schnell Vertrauen auf. Der Grip ist sofort da, das Einlenken direkt, das Heck bleibt ruhig. Gerade auf dem weichen Schnee zeigt sich, wie gut der Reifen mit typischen mitteleuropäischen Bedingungen klarkommt. Kein nervöses Verhalten, keine Überraschungen – stattdessen ein sauber kontrollierbares Fahrgefühl.

 

Kreisbahn: Spielen an der Grenze

Auf der Kreisbahn wird es dann richtig spannend. Neben uns ein Testfahrer, der genau weiss, wie man ein Auto ans Limit bringt. Der Porsche Cayenne beginnt leicht zu driften, die Kräfte wirken – und genau hier zeigt sich die Qualität eines Reifens. Der Snowproof 3P bleibt berechenbar. Er kündigt den Grenzbereich früh an und lässt sich fein dosieren. Kleine Korrekturen genügen, um das Auto wieder einzufangen. Genau dieses gutmütige Verhalten macht im Alltag den Unterschied.

 

Fazit: Winterreifen für die Realität

Der Nokian Snowproof 3P ist kein reiner Eis-Spezialist für extreme Bedingungen, sondern ein moderner Winterreifen für genau jene Situationen, die Autofahrer täglich erleben. Wechselhaft, nass, verschneit – und manchmal alles gleichzeitig.

 

www.nokiantyres.ch

 

Interview mit Nokian-Chef Paolo Pompei: «Die Schweiz ist ein sehr relevanter Markt für Nokian Tyres»

 

AUTO&Wirtschaft: Was ist der gemeinsame Nenner zwischen einem südeuropäischen Manager und einem finnischen Unternehmen?

Paolo Pompei: Der gemeinsame Nenner sind ganz klar Reifen. Ich bin seit fast 30 Jahren in der Reifenbranche tätig. Meine Karriere begann bei Pirelli, anschliessend war ich rund 20 Jahre bei der schwedischen Gruppe Trelleborg im Off-Highway-Reifensegment tätig. Danach folgte eine Station bei Yokohama, bevor ich vor etwa eineinhalb Jahren zu Nokian Tyres gewechselt bin. 

 

Wie erleben Sie die finnische Kultur?

Viele wären überrascht, wie viele Gemeinsamkeiten es mit Italien gibt. Die Finnen sind sehr pragmatisch, sie kommen direkt auf den Punkt und arbeiten sehr effizient. Natürlich sind wir Südeuropäer in der Kommunikation etwas lauter, aber ich schätze die finnische Mentalität sehr.

 

Wie wichtig ist der Schweizer Markt für Nokian Tyres?

Die Schweiz ist ein sehr relevanter Markt, insbesondere aufgrund der geografischen Bedingungen. Die Winter können extrem sein, gleichzeitig gibt es zunehmend auch mildere Phasen.

 

Welche Auswirkungen hat die kommende Euro-7-Regulierung?

Aktuell ist noch nicht alles final entschieden. Eine zentrale Frage ist die Testmethodik – ob Tests unter realen Bedingungen oder im Labor durchgeführt werden sollen.

 

Welche Bedeutung hat die «White Hell» in Ivalo für Nokian Tyres?

Dieser Standort ist einzigartig. Doch entscheidend ist nicht nur der Ort, sondern das Know-how: Wir verfügen über mehr als 40 Jahre Erfahrung in diesem Bereich. Dieses Wissen ist tief im Unternehmen verankert und wird kontinuierlich an unsere Ingenieure weitergegeben. Für viele Europäer sind diese Bedingungen extrem – für die Menschen hier sind sie Alltag. Genau dieses Verständnis macht den Standort zum Herzstück des Unternehmens.

 

Diesen und weitere spannenden Artikel lesen Sie auch in der April-Ausgabe von AUTO&Wirtschaft, welche in den kommenden Tagen in Ihrem Briefkasten liegt.

 

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